Corpus Strigel - 100 Jahre (in Vorbereitung)

 

Die Künstlerfamilie Strigel, nachweisbar in Memmingen zwischen 1416 und 1528


Die Familie der Strigel ist über mehr als 100 Jahre hinweg eine überaus produktiv wirkende Maler- und Bildhauerfamilie, deren Werke religiösen Sujets nicht nur lokal breiten Absatz fanden, sondern bis nach Rom, Österreich und Graubünden exportiert wurden. Allein in Graubünden sind mindestens 32 Retabel erhalten geblieben. Memmingen war neben Konstanz, Überlingen oder Hall zu einem der bedeutendsten Handelsplätze aufgestiegen, in der die Familie S. nahezu uneingeschränkt und ohne größere Konkurrenten ihre Werkstatt betreiben konnten. Im spätgotischen Kunstbetrieb Schwabens waren dieses Altarbauunternehmen das beherrschende künstlerische Zentrum der Stadt, an das sämtliche wichtigen Aufträge fiel.
  
Als Stammvater bzw. Gründer dieser Werkstatt gilt Hans Strigel der Ältere (1416-1462), von dessen Kunst das 1442 datierte und signierte Hochaltarretabel für die Pfarrkirche in Zell bei Oberstaufen Kenntnis gibt. Weil er schon 1433 ein Haus samt Werkstatt erwerben kann, darf angenommen, dass Hans S. bereits als Meister nach Memmingen kommt.
Mit seiner Frau Anna hat er sechs Kinder (Petrus, Ivo und Hans sowie Anna, Ursula und Agatha), von denen Ivo Strigel nach dem Tod des Vaters das Haus erwirbt und die kommenden Jahrzehnte gemeinsam mit seinem Bruder Hans Strigel dem Jüngeren die Werkstatt betreibt.

Petrus Strigel, wohl der älteste Sohn, studiert in Heidelberg und erlangt 1460 den Grad des Baccalaureus der freien Künste. Dass sich Petrus als Bücherschreiber und Miniaturenmaler betätigt, geht aus Rechnungsbüchern der Antoniter hervor, die seitdem immer wieder als Vermittler zwischen auftraggebenden Gemeinden und der Familie Strigel hervortreten.
Eine Malertätigkeit ist auch für Claus und Michel Strigel bezeugt, doch tauchen ihre Namen - bis auf eine Ausnahme, die das heute in der Münchner Frauenkirche befindliche Memminger Retabel betrifft - in den Quellen nicht wieder auf. Hans der Jüngere wird ebenfalls Maler, als der er in den Memminger Quellen zwischen 1450 und 1479 regelmäßig genannt wird.
Auf dem 1465 datierten Montfort-Werdenberg-Retabel (Stuttgart), einem Gemeinschaftswerk mit Ivo, der sich selbst Bildhauer nennt, werden beide in einer ungewöhnlich ausführlichen Inschrift namentlich genannt (…a Johanne et Yvone Strigel fratribus de Memmingen…“).

Eine Werkstatt dieser Größenordnung verfügte stets über eine ganze Reihe Mitarbeitern, nicht zuletzt um dem zeitweise stetig anwachsenden Auftragsvolumen gerecht zu werden. Auch war die Schaffung z. B. eines Altaraufsatzes (oder Retabels) stets das Ergebnis mehrerer Gewerke, weshalb sich eine Zuschreibung an eine einzige Künstlerpersönlichkeit verbietet.

Über die Jahre konnten die Mitarbeiter wechseln, was immer Neues und Anderes mit in den Verbund einbrachte. Das ist im Falle der Strigel-Werkstatt umso bedeutsamer, als die jeweiligen Werkstattleiter (Hans d. Ä., Ivo, Bernhard) innerhalb der Stadt mehr oder weniger intensiv politisch und gesellschaftlich aktiv waren. Bernhard, der jüngste, verfolgte seine diplomatischen Aktivitäten mit größter Intensität, so dass seine Mitarbeiter nicht nur Nebentätigkeiten ausgeführt haben können, sondern eine eigene Handschrift zu entwickeln begannen, was die stilistischen Zuweisungen bis in die jüngere Forschung erschwerte. Unmöglich ist sie jedoch keineswegs.
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In der hier - in Zusammarbeit mit meiner Kollegin Lisa Braun, M.A. und dem GraduiertenKolleg "Rahmenwechsel" an der Universität Konstanz - in Vorbereitung befindlichen Datenbank, sollen sämtliche Werke erfasst und erläutert werden.
Angesichts der Menge der zu erfassenden Objekte, versteht es sich von selbst, dass es hier nur um ein "work in progress" gehen kann.

Allen Kollegen, Freunden, Interessierten, die unsere Arbeit unterstützen, sei es durch Bildmaterial, Hinweise, eigenes Wissen, ist unser herzlicher Dank gewiß!

 

Anna Moraht-Fromm, Berlin

 

 

 

 


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